23.04.2009

Mangold-Tarte. Soave. Frühling.

Toc, toc... Jemand da draußen? Wartet da noch irgendwer auf mich? Hält mir da wer noch die Treue? Ja. Ich weiß. Ich war VERSCHOLLEN, nicht? Ja, Waaaahnsinn...

Ach was soll ich sagen?!

Erst waren meine Frau Mamá und meine älteste Schwester hier zu Besuch und wir hatten entsprechend Urlaub und sind zu Viert durch Berlin getingelt, ganz und gar heldenhaft, immer der Sonne hinterher, zum Reichstag, ins Olympiastadion, auf die Pfaueninsel, zum Wannsee, in den Zoo und und und. Und zurück. Und noch mal hin. In Dauerschleife.

Ja, und dann passierte noch dies & jenes, und der Handwerker ging und dann kam er wieder. Und die Arbeit war „naja“ und da draußen meinten irgendwelche Vollpfosten eine Rechnung sei Diskussionsmaterial, so als sei das hier nicht die freie Marktwirtschaft sondern irgend so ein scheiß verdammter Hippie-Debattierklub (habe ich schon mal erwähnt, dass ich Kapitalist bin?) und wir feierten Jahrestag und ich habe dabei das Rinderfilet versemmelt aber eine passable Sauce gezaubert und es wurde Frühling und meine Sonnenallergie kehrte pünktlich mit dem ersten Sonnenstrahl zurück und ich habe viel zu oft die Nerven (oder die Contenance?) verloren und ich hab nicht wenig gelacht, irgendwie aber auch umso mehr geweint und dabei habe ich meinen Vater vermisst um mich dann im selben Atemzug gnadenlos und versehentlich daran zu erinnern, dass er immer noch tot ist. So ein Mist aber auch. Und dann habe ich jedes Mal auf die Katastrophen-mildernde Wahrheit des nächsten Atemzuges gehofft, der aber, life's a bitch, mir nur den Gedanken beschert hat, dass sich daran auch in nächster Zeit vermutlich nichts ändern wird. „Unverständliches Prinzip Tod“, so umschrieb es eine Freundin neulich. Und da wollte ich mich ablenken und habe mich, wie süß, über Dieter Bohlen aufgeregt, und mich maßlos über ominöse „Experten“ geärgert, die Computerspiele mit echten Tötungen gleichsetzen und für ein Verbot plädieren, dabei aber vergessen dass man genauso gut 90% aller Literaturklassiker verbieten könnte (allen voran die Bibel, den Koran und den Tanach), sowie 75% aller Kinofilme, 99% der klassischen Kunst weltweit, und dann sollte man auch bei der Gelegenheit so gut wie alle Nachrichtensendungen abschaffen und bitte definitiv alle TV-Debatten zu denen Oskar Lafontaine oder Bushido eingeladen werden. Joah. Und ich habe aufgehört Perez Hilton lustig zu finden und finde ihn jetzt meistens nur noch doof und peinlich. Und während all das so mit mir und um mich herum passierte habe ich zig Mal versucht mich wieder aufzuraffen und ich habe es meistens eh nicht geschafft und ich bin kurzerhand emotional Amok gelaufen und habe mich dann doch gefragt wie lange ich diese heilige Allürenscheiße noch weiter durchziehen kann bevor ich meine Beziehung endgültig & mit vollem Einsatz gegen die frisch-tapezierte Wand gefahren habe. Daraufhin habe ich Angst gehabt und Panik geschoben. Ja. Und in der ganzen Zeit habe ich gekocht wie eine Irre (IRRE passt diese Tage eh nur zu gut), leider aber nicht so viel wie nötig gewesen wäre, um mich von all diesem Gedöns zu befreien. Dabei ist Eskapismus doch so was Schönes.

Also: Ihr seht schon. Ich war beschäftigt und habe mich prächtig amüsiert. So! Und jetzt, mag jemand mal ein Stück Mangoldtarte?



Zutaten (für eine Tarteform mit 28cm Durchmesser):

  • 600 g Mehl (in diesem Fall: 500 g Mehl Type 405 & 100 g Vollkorn-Weizenmehl)
  • 250 ml Sonnenblumenöl
  • 250 ml Wasser (lauwarm)
  • 1 TL Backpulver
  • ca. 450 g Mangold
  • 3 EL Rosinen
  • 3 EL Pistazien (gehackt)
  • 2 Eier
  • Salz
  • Pfeffer aus der Mühle
  • Muskatnuss
  • ca. 100 ml Sahne
  • ca. 50-70 g Grana Padano
  • ca. 50 g Ziegenkäse
  • 2-3 EL Frischkäse (wie Cremette, Philadelphia oder so watt)
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Frühlingszwiebel
  • 3 EL Olivenöl
  • etwas Butter (um die Form zu bepinseln)
  • 2EL Semmelbrösel

*.- leicht abgeändert nach Tim Mälzers „Kochbuch“ (Seite 61: geschlossene Mangold-Tarte)

Wie es gemacht wird:

Wir fangen beim Teig an (verrückte natalika-Logik, was?): In einer Schüssel, das Sonnenblumenöl mitm Wasser vermischen, Mehl und Backpulver hinzufügen und alles zu einem geschmeidigen Teig verarbeiten (bei mir übernahm diese Aufgabe die Küchenmaschine). Den Teig in der Schüssel lassen und diese, mit einem Tuch bedeckt, 30 Min. beiseite legen.

Wir waschen das Mangoldgemüse und schneiden alles (Strunke & Blätter) klein. Zusammen mit Knoblauch und Frühlingszwiebel wird der Mangold in einer Pfanne (mit etwas Olivenöl) circa 5-6 Minuten lang anbraten. Dann geben wir Rosinen und Pistazien dazu und würzen alles mit Salz, Pfeffer und Muskat. Wir nehmen das Gemüse von der Kochstelle und lassen es in einer Schüssel abkühlen.
Ah! Und wir heizen den Ofen vor (200 Grad).


In der Zwischenzeit pürieren wir mit dem Stabmixer die Eier mit Sahne und Käse (alle 3 Käse-Sorten), schmecken sie mit Pfeffer ab.


Auf dem bemehlten Tisch rollen wir den Teig dünn aus und schneiden aus ihm 2 Teigplatten mit ca. 30-32 cm Durchmesser. Wir legen den Boden der (hihi, gebutterten) Tarteform mit der einen Platte aus und drücken diese am Rand an.



Wir bestreuen den Teigboden mit Semmelbröseln und geben das Gemüse darauf. Das Ganze wird mit der Sahne-Ei-Mischung begossen und mit der zweiten Teigplatte bedeckt (Achtung! Teigränder gut zusammendrücken). Wir pieksen den Teigdeckel mehrmals mit einer Gabel... und schieben das Ding in den Ofen.

Nach ca. 45 Minuten sollte die Tarte fertig sein. Dazu haben der Herr K. et moi myself am Mittwochabend jede Menge Soave getrunken, während wir uns wieder ein mal darüber ärgerten, dass P7 „Grey's Anatomy“ blöderweise auf 20:15 vorverlegt hat, welch Misere, wo ich eh immer am Kochen bin & der Mann des Hauses eh immer im Auto sitzt... hmpff...

Sehr lecker, obwohl ich auch ohne den Teigdeckel oben druff auch gut hätte leben können.


Übrigens 1: Die Tarte schmeckt übrigens am nächsten Tag im Backofen aufgewärmt noch viieeeel besser, weil der Teig dann ein wenig weicher wirkt...

Übrigens 2: Etwa die Hälfte des Teigs blieb über... Habe ich einfach in Alufolie eingewickelt und eingefroren. Damit gibt es dann nächste Woche irgendwann individuelle Mini-Quiches zum Abendessen mit, ähm mit irgendwas Gemüsigem... oder Fischigem. Also mit irgendwas halt...

Übrigens 3: Hab ich schon erwähnt, es ist Frühling? „Frühling in der Schönhauser... Frühling in Berlin...“ - so singt's Nylon und ich mag das und ich sollte womöglich viiiiiiel öfter raus. Der Baum unseres Innenhofes (verdammt, ich vergesse immer was das für einer ist, wer sagt's mir bitte...) ist in den letzten 7-8 Tagen förmlich explodiert und ich kann auch nicht mehr durch die Raabestr. latschen ohne alle paar Meter anzuhalten um Handy-Fotos der blühenden Mandelbäume zu machen.

Kommentare:

julia hat gesagt…

herzhafte tartes mag ich gern!

kann man die auch kalt servieren (also schmeckt die dann auch?)??

natalika hat gesagt…

Hallo Julia!

Joah, ich wüsste jetzt kein Grund warum die kalt nicht schmecken soll. Perfektes Picknick-Essen eigentlich, jupp!

Kommentar veröffentlichen